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Warum nachdenken?

 

Die große Mehrheit der Menschen in Deutschland und Europa hat sich bequem im Wohlstand eingerichtet. Die Quellen dieses Wohlstands werden dabei im Alltag nicht mehr hinterfragt. Bestenfalls wird eine Frage nach den Quellen mit einem Verweis auf die vielen fleißigen Hände in der Gesellschaft und auf die Kraft der sozialen Marktwirtschaft beantwortet. Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Die Strategien, die einen materiellen Überfluss auf breiter Front ermöglicht haben, gründen auch unabdingbar auf der kostengünstigen Ausbeutung natürlicher Ressourcen in vielen Ländern und auf allen Kontinenten. Ohne die Ausbeutung von natürlichen Ressourcen (fossile Energieträger, Holz, Nahrungs- und Futtermittel, Wasser, Böden, Metalle u.s.w.) würde die deutsche Wirtschaft innerhalb von wenigen Tagen zum Stillstand kommen. Der intensive Verbrauch von natürlichen Ressourcen ist dabei selbstverständlich geworden. Ein stetes Wirtschaftswachstum, das für den Erhalt des heutigen Wohlstands scheinbar unabdingbar ist, wird aber begleitet von einem stetig wachsenden Verbrauch von natürlichen Ressourcen. Mögliche Änderungen des Status quo – aktuell z.B. aufgrund von Forderungen nach besseren Klimaschutzmaßnahmen - werden deshalb reflexartig abgelehnt:

 

„ Klimaschutz darf nicht auf Kosten von Wohlstand und Arbeitsplätzen gehen.“
Zitat von Wirtschaftsminister Peter Altmaier im Spiegel, Ausgabe 12, S. 61 (2019).

 

Niemand von denen, die einen besseren Klimaschutz anmahnen, will die Zahl der Arbeitsplätze verringern und der Verlust von Arbeitsplätzen ist keine notwendige Folge von Klimaschutz. Aber dennoch ist es gut, dass Herr Altmaier es wieder einmal gesagt hat. Er lässt die Menschen damit wissen: Wer heute seine Partei wählt darf im Status quo verharren, braucht sich nicht mit Problemen auseinandersetzen, kann weiter seinen Wohlstand auf Kosten Anderer und nachfolgender Generationen pflegen. Die Beharrungskräfte des aktuellen Zustands sind groß.

 

Ist Deutschland zu satt?

Die Antwort erscheint naheliegend: JA. Dies gilt sowohl im eigentlichen, als auch im übertragenen Sinn der Worte. Eine überwältigende Mehrheit aller Deutschen hat jeden Tag mehr als nur genug zu essen. Im Winter sind unsere Häuser eher überheizt, der SUV vor der Tür schafft locker 200 km/h auf der Autobahn und bringt uns damit am Wochenende zum Shoppen nach München, Berlin oder Köln. Am nächsten Werktag geht’s mit dem Flieger zum Meeting nach Irgendwo. Auf dem Arbeitsmarkt herrscht mit Stand März 2019 Vollbeschäftigung. Gebrauchte Güter finden kaum noch einen Abnehmer und vielerorts wird auf Kredit konsumiert, um die Zugehörigkeit zu einer abgegrenzten Gesellschaftsschicht zu beweisen. Scheinbar alles ist auf Erfolgskurs, für den Einzelnen, für die Investoren, für die Politik und damit für den sozialen Frieden?

Wie bequem könnten wir uns in dieser komfortablen Welt einrichten, wäre da nicht die unangenehme Tatsache, dass all dieser Wohlstand letztlich auf einer Plünderung der natürlichen Ressourcen anderer Länder und kommender Generationen beruht. Und diese anhaltende Plünderung wird spürbar!

 

Welterschöpfungstag

Im Jahr 2018 waren in Deutschland bereits bis zum 1. Mai alle nachwachsenden Ressourcen verbraucht, die für das gesamte Jahr 2018 in unserem Land nachwuchsen. Deutschland verbrauchte somit für seine Form des Wohlstands und des sozialen Friedens die Ressourcen von dreimal Deutschland. Die Zeit vom 2. Mai bis zum 31. Dezember wurde folglich und wie zuvor erwähnt, durch einen Import von Ressourcen aus anderen Ländern, bzw., durch einen Substanzverzehr (Raubbau) im eigenen Land bestritten. Im globalen Maßstab wird der Tag an dem alle verfügbaren, nachwachsenden Ressourcen der Erde verbraucht sind, als Welterschöpfungstag bezeichnet (1). Mithilfe dieses Begriffs konnte veranschaulicht werden, dass alle Menschen zusammen im Jahr 2018 etwas mehr als die Produktivität von zwei Erden verbraucht haben (2). Natürlich gibt es nur eine Erde und somit hat ein globaler Raubbau in großem Maßstab stattgefunden.

Nach den Gesetzen der Denklogik haben wir dafür jemand etwas weggenommen, was uns nicht gehört!

Sie meinen: Unsinn, schließlich haben wir doch dafür bezahlt? Leider ist das nicht wirklich wahr und darum ein guter Grund, einmal über die realen Kosten unseres kuscheligen Wohlstands nachzudenken.

 

(1) Earth Overshoot Day, Global Footprint Network (2013)

(2) Ressourcen für 2018 schon jetzt verbraucht. Welterschöpfungstag früh wie nie. NTV (2018)

 

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